Übersicht der Sammlung
von Heinz-Josef Bell

Die Bellsche, vorgeschichtliche Sammlung wurde von Heinrich Bell in den 1930er Jahren  begründet. Sie umfasst mehr als 5.000 Einzelstücke. Davon sind etwa 1.000 Stücke in einem Fundbericht katalogisiert. Die Sammlung bezieht sich im Wesentlichen auf Funde aus Weiler bei Bingen. Der größte Teil umfasst steinzeitliche Werkzeuge. Die Pionierleistung von Heinrich Bell bestand darin, dass er zu einer Zeit, in der die Altsteinzeit in unserer Gegend unbekannt war, altsteinzeitliche Werkzeuge als solche erkannte und sich wissenschaftlich mit diesem Thema beschäftigte. Der spätere Begriff "Nahe-Paleolithikum" wurde durch seine Arbeit mit begründet.

Hier eine Übersicht der Sammlung nach Alter sortiert.

Bezeichnung: Kurzbeschreibung: Alter:
Fossilien versteinerte Tiere und Pflanzen mehrere  Millionen
Altsteinzeit Steinwerkzeuge der Vormenschen 200 000  –  2 Millionen
Jungsteinzeit Werkzeuge, Beile, Getreidemühlen,
Keramik, Pfeilspitzen…
2000  –  6000 v. Chr.
Bronzezeit Keramik, Metallgegenstände 500 – 1500  v. Chr.
Römerzeit Keramik, Kunst, Münzen 1. – 3. Jahrhundert
Frankenzeit Keramik  
Mittelalter und
Neuzeit
Grenzsteine, Verschiedenes  

 



Fossil: Trilobit

Fossilien

Dieser Teil der Sammlung umfasst nur wenige Stücke. Neben einigen versteinerten Knochen, Zähnen, und Hölzern gibt es Versteinerungen aus Hunsrückschiefer (Devon), Seesterne, und Pflanzen. Besonderheiten sind ein vollständig erhaltener Trilobit und ein 16-armiger Sonnenstern.


Altsteinzeit

Die Altsteinzeit umfasst die längste Periode der menschlichen Vorgeschichte. Die Altersbestimmung ist schwierig. Es handelt sich um grob behauene Steine, meist  aus Quarzit, einem geologisch in unserer Gegend anstehenden Material. Dabei fallen immer wieder Stücke aus braunem Taunusquarzit auf. Es sind Gerölle wie sie in der Nahe vorkommen. Mit wenigen gezielten Abschlägen zu einem Werkzeug geformt.

Bei näherer Betrachtung kann bei einigen Fundstücken genau nachvollzogen werden, wie die Bearbeitung (Technik) stattgefunden hat. Es entsteht häufig ein so genannter "Schlagkegel". Es konnten auch Gebrauchspuren nachgewiesen werden.


Faustkeil



sogenannter "Schuhleistenkeil"

Jungsteinzeit

Aus Weiler gibt es aus dieser Zeit einige sehr interessante Fundstücke.

Es gibt Oberflächenfunde und Fundstücke, die bei Bauarbeiten aus intakter Fundschicht geborgen werden konnten. Eine ausgedehnte bandkeramische Siedlung  erstreckte sich im Bereich Lautershof. Eine weitere, etwas jüngere (rössener) Ansiedlung konnte „Am Heerberg“ nachgewiesen werden.

An vielen Fundstellen rund um Weiler kam jungsteinzeitliches Material zutage.

Einen davon unabhängigen jungsteinzeitlichen Komplex sammelte Heinrich Bell als Soldat in den Masuren am Spirdingsee (Ostpreusen).


Bronzezeit

Hier gibt es Funde aus Weiler. In diese Zeitepoche fallen auch Hügelgräber im Weilerer Wald,  sowie  ein größerer Komplex im Binger Wald, der bekanntlich ebenfalls zur Gemarkung von Weiler gehört.


Römerzeit

Aus der Römerzeit  ist ein römischer Gutshof (Villa rustica) im Binger Wald bekannt. Zur Sicherung der Verbindungsstraße gab es in Weiler eine Station. In der Hofstraße, das so genannte "Hofhaus" gehörte zum Anwesen Bell, dem Elternhaus von Heinrich Bell. In den 40er Jahren des vergangen Jahrhunderts konnte Bell bei einer Grabung an diesem Gebäude vier Dacheindeckungen nachweisen. Die ältesten dieser Ziegeln waren römisch. Ein zweites  Zentrum römischer Ansiedlung gab es in der Hildegardisstraße, rund um die Kirche, sowie in der Grabenstraße und in der Niederstraße. Ein römischer Friedhof wurde „Im Rheinblick“ gefunden.


römischer Altarstein


Frankenzeit

Eine Fränkische Siedlung wurde im Bereich des ehemaligen Bergwerks „Schächtchen“ gefunden. Interessant ist, dass diese Funde möglicherweise mit dem Dorf Münzthal in Verbindung stehen. Die Ansiedlung lag nordöstlich von Weiler und ist wahrscheinlich im 30-jährigen Krieg untergegangen.  Die Straße „Münzthaler Grund“ ist danach benannt.



Markierungsstein
"Sankt Rupert"

Mittelalter und Neuzeit

In diese Zeitepoche fallen auch einige Grenz- und Markierungssteine.

Einige dieser Steine gehören zum Rupertsberger Kloster, das in Weiler ein Hofgut hatte. Das oben erwähnte (römische) Hofhaus gehörte zu diesem Gut.

Die Sammlung umfasst noch viele weitere Dinge aus dieser Zeit und dokumentiert somit ein Stück Zeitgeschichte.